Tageslosung
Montag 20.11.2017
Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes.5.Mose 4,2
Jesus sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun. Lukas 8,21
Forumlar der Volltextsuche in den Inhalten dieser Webseite

Andacht zum Monatsspruch im April 2017

"Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden." (Lukas 24,5–6)

Björn-Hendrik Fischer, Pfarrer in unserer Gemeinde

in christlichen Trauerfeiern wird sehr oft das Evangelium von der Auferstehung Jesu gelesen. Es endet mit diesen Worten: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.« Die Frauen waren zum Friedhof gegangen. Sie wollten dem Verstorbenen den üblichen Liebesdienst erweisen, ihn mit wohlriechenden Salben einzureiben. Doch der Leichnam ist weg. 

Wie, weg? Was ist das denn?
Ein schlechter Scherz? – Ein Schock!
Die Leute klauen ja alles.
Aber einen Toten?
Wo ist der Körper dessen, der uns so wichtig war?

Wir Heutigen salben unsere Toten nicht mehr. Aber ich stelle mir vor, eine Trauerfamilie käme zusammen, um am Sterbebett gemeinsam Abschied zu nehmen. Und der vor kurzem Verstorbene – ist weg. Das Bett ist leer. Was für ein grausiges Knäuel von Gefühlen sich da verwickeln würde. Schreckliche Vorstellung! Und dann die Auskunft der »Männer in glänzenden Kleidern« (Lukas 24,4): Einfühlsam und tröstlich sind ihre Worte nicht. Nicht in dieser Situation! Wäre ich eine dieser Frauen, ich empfände die Rede wohl als zynisch. »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.« – Machen die sich über meine Trauer lustig? 

Liebe Leserinnen und Leser, ich glaube nicht, dass die beiden sich über die Jüngerinnen lustig machen wollten. Aber sie sind in ihren Gedanken schon einen Schritt weiter: Sie wollen der Trauer nicht das letzte Wort lassen. Gottes Schöpfungsordnung gibt dem Leben mehr Kraft als dem Tod. Jetzt, in dieser Frühlingszeit, beobachtet man das ja an jeder Ecke: wieder Farben, wieder Knospen, wieder Lebensfreude. 

Eines würde ich aber gerne mit den »Männern in glänzenden Kleidern« diskutieren, wenn so etwas denn möglich wäre: Zum Lebendigsein gehört doch die Liebe – wer hätte das stärker betont als Jesus selbst. Und wenn Liebe zerbricht, weil die Geliebte sich abwendet oder stirbt – dann wandelt sich Liebe in Trauer. Die muss sein dürfen. Muss ihren Platz, ihre Zeit haben. Darüber geht, finde ich, die Rede der beiden Männer zu schnell hinweg. 

Mir ist wichtig: Wir lieben. Und wir trauern. Und dann, wenn Liebe und Trauer ihren Platz in meinem Leben gefunden haben, nicke ich in Richtung Himmel und stimme der Osterbotschaft froh und dankbar zu: Keiner von uns geht verloren. 

Leben ist wichtiger als sterben, und stärker. »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.« Zeit zum Lieben, Zeit zum Trauern und dann Zeit für die Osterfreude wünscht Euch und Ihnen allen von Herzen

Pfarrer Björn Fischer