Tageslosung
Donnerstag 14.12.2017
Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.1.Mose 3,9-10
Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! Galater 4,6
Forumlar der Volltextsuche in den Inhalten dieser Webseite

Gedanken zur Reformation

Epistel zum Reformationsfest: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln der Herrlichkeit, die Gott ihnen gab und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. (Römer 3,23)

Der Apostel Paulus führt in diesen sprachlich so gewaltigen Sätzen aus, was es mit „Gottes Gerechtigkeit“ auf sich hat. In so dichter Sprache tut er das, dass uns diese Verse mühelos eher zu erschlagen, als zu stärken scheinen. Und doch ist es gerade die Erleuchtung über diese Verse gewesen, die Martin Luther von einer mächtigen Angst befreit haben. Diese unermessliche Befreiung selbstverständlich empfinden zu können, fällt uns heute denkbar schwer, so dass uns das 500. Jubiläum der Reformation ein guter Anlass sein kann, dem nachzuspüren.

Mit dem reformatorischen Gedanken hat sich eine Freiheit unter uns Bahn gebrochen, deren epochale Dimension und globale Konsequenzen für Martin Luther weder beabsichtigt noch vorstellbar waren. Unsere aufgeklärte Welt wäre ohne diese Ereignisse, welche wir am 31. Oktober feiern, einfach undenkbar. Und es gibt in der Tat nicht einen Bereich unseres öffentlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, der nicht von diesem Prozess erfasst und geprägt worden wäre. Ob uns Evangelisch-Lutherischen Christen der Wert dieses reformatorischen Schatzes entsprechend gegenwärtig ist?

Nicht zuletzt ist es die Einführung der „Deutschen Messe“ gewesen, von deren Freiheit wir bis heute in der Liturgie unserer Sonntagsgottesdienste zehren. Jeder ist seither eingeladen mitzufeiern. Und wie gut es doch immer wieder tut und wie herrlich befreiend es sein kann, um Gottes Willen gefragt zu sein. Augen, Mund und Ohren zu öffnen, Gott zu feiern. Vor ihm vernehmlich zu klagen und zu loben, ihm zu danken und dem zu singen, auf den ich mich in Freud und Leid verlassen kann in allem, was mein so besonderes Leben ausmacht: alles das, was mich in Gott und der Welt von Herzen umtreibt, zwischen „Himmelhoch jauchzend“ und „Zu Tode betrübt“. Wie wundervoll ist es doch, mich aufzumachen und mich inmitten der Gemeinde von der Liturgie tragen zu lassen, um mich innerlich und auch ganz körperlich erheben zu lassen! Herrlich heilsam enthoben von den alltäglichen Belastungen. Empor zum Altar, hin zum Tisch des Herrn, an dem ich seine Gegenwart hautnah erfahren darf.

Mögen Sie in diesem Sinne behütet bleiben.

Ihre Pfarrerin Sigrun Zemmrich