Tageslosung
Donnerstag 22.08.2019
Er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.Jesaja 53,8
Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst. Hebräer 12,3
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Andacht zum Monatsspruch August 2019

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. (Matthäus 10,7)

Liebe Gemeinde!
„Bei mir drüben…“ so beginnen etliche Sätze, die ich zur Zeit in Radebeul spreche (warum das so ist, erfahren Sie aus dem kleinen Beitrag in diesem Friedensgruß, in dem ich mich vorstelle). Jedenfalls liegt bei mir drüben das Himmelreich. Das ist eine leichte Talsenke zwischen Hühndorf und Unkersdorf. Und – so erzählt man sich: früher wurde diese Senke im Frühling von unzähligen Himmelsschlüsseln beblüht. Daraus hat man wohl irgendwann geschlußfolgert, dass das Himmelreich dort sein muss. Wenn es schon so viele Schlüssel dazu gibt: Wo sonst?! Außerdem liegt bei mir druben die „Rasti“, Autobahnraststätte „Dresdner Tor“. Die ist keine 200 Meter vom Himmelreich entfernt. Zugleich ist die Rasti aber eine komplett andere Welt. Sie ist, wie die gesamte Autobahn, durch einen hohen Zaun abgetrennt von der Außenwelt. Sie hat ihre eigenen „Bewohner“, ihre eigenen Regeln und ihre eigene Sprache. Die Bewohner sind LKW-Fahrer. Sie haben vorgeschriebene Zeiten zu ruhen. Ihre Sprache sind alle Sprachen Ost-Europas. Viele kennen sich untereinander, weil sie ihre Stamm-Raststätten immer wieder anfahren. Es wird gemeinsam gegrillt zwischen den LKWs, es wird gemeinsam getrunken. Es ist eine eigene Welt. Mitten in unserer Welt. Nahe beim Himmelreich.

Schade, dass all diese Welten nichts miteinander zu tun haben. In den elf Jahren, in denen ich bei mir drüben Pfarrer bin, habe ich nur einmal erlebt, dass sich ein LKW-Fahrer von der „Rasti“ in den Gottesdienst verirrt hat (aber das beruht ja auf Gegenseitigkeit). Im Himmelreich spazieren sah ich nie einen.

„Geht und verkundet: Das Himmelreich ist nahe.“ (Matthäus 10,7) – das ist nicht allein der Monatsspruch fur August, sondern das könnte auch eine interessante Botschaft fur die „Bewohner“ Raststätte sein: Geht doch mal spazieren hinterm Zaun!

Eigentlich ist es aber ein Wort Jesu, mit dem er seine Junger aussendet.

Zu den „verlorenen Schafen“ schickt er sie; und sie sollen das fortsetzen, was er selbst tat: Helfen, Beistehen, Heilen, Konflikte lösen.

Sollte ich es zusammenfassen, dann wurde ich sagen: Jesus hat den Menschen um sich herum ermöglicht, einander zu begegnen. Über Grenzen, Unterschiede, körperliche Einschränkungen und auch über ihre Berührungsängste hinweg konnten Menschen sich begegnen, wenn Jesus bei ihnen war. Und es entstand jedes Mal etwas Gutes. Nahezu himmlisch!

Und wir heute? Oft leben wir in eigenen Welten nebeneinander her. Säuberlich voneinander getrennt – nicht nur durch Zäune wie an der Rasti, sondern in den „Blasen“ unserer Interessen und Meinungen; dort wiederum mit eigenen Regeln und eigener Sprache. Wir erleben, wie unsere Gesellschaft mehr und mehr zerfällt. Mancher Riss scheint bereits unüberwindlich zu sein.

„Das Himmelreich ist nahe!“ klingt da fur mich wie ein Zwischenruf Jesu, der uns sagt: Begegnung geht immer noch! Es gibt die Möglichkeit, unsere Beruhrungsängste einfach mal bei Seite zu legen, uns voreinander ein bisschen wehrlos zu machen und zu erleben, wie wir uns gerade in unserer Unterschiedlichkeit begegnen können. Wo uns das gelingt, entsteht – auch heute noch – etwas Gutes. Da haben wir den Schlussel zum Himmelreich schon mal in der Hand. Begegnungen wünsche ich Ihnen und mir; uber den Sommer; hier und anderswo, druben und hüben. Begegnungen, aus denen etwas Gutes entsteht.

Christian Bernhardt