Tageslosung
Donnerstag 17.10.2019
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Andacht zum Monatsspruch im November 2019

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hiob 19,25)

Björn-Hendrik Fischer, Pfarrer in unserer Gemeinde

Die Ärztin setzt sich aufrecht hin, holt Luft und teilt eine schreckliche Diagnose mit. – Oder: Eine Liebe ist am Ende. – Oder: Ein schwerer Unfall. – Unbegreiflich. Ausgeliefert. Mein Glaube meldet sich: »Warum widerfährt mir, oder diesem dort, so ein Unglück, völlig unschuldig?«.

Dann beginnt es zu brodeln: eine Wut, ein Schweigen, Ärger breitet sich aus. Und weil sich doch wohl irgendein Sinn finden lassen muss, zieht der Verstand rasch Erklärungen herbei. Es wird schon etwas Gutes daran sein. Überlieferungen aller möglichen Religionen stimmen mit ein: Immer wieder klingt in den Heiligen Schriften und in den Glaubensüberlieferungen an, dass Gott auf der Seite der Gerechten sei und die Bösen strafe.

So etwa: »Wer gut lebt, dem wird’s auch gut gehen.« Die Lebenserfahrungen sehen dagegen oft anders aus: Auch die Besten werden todkrank, erleben Schicksalsschläge, die sich so gar nicht aus ihrem meist aufrichtigen Leben ableiten lassen. Und dann zweifeln Menschen an Gottes Gerechtigkeit, sogar überhaupt an Gottes Vorhandensein. Im Alten Testament gibt es einen mutigen Vorstoß, diese Idee eines Gottes, der nach unserem Gerechtigkeitsempfinden belohnt und bestraft, zu überwinden. Darum rang der Mensch mit Namen Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. Und so konnte Hiob gut leben mit dem Wissen und in dem Glauben: »Weil ich nach seinen Geboten lebe, segnet mich Gott. Ich habe ein erfolgreiches und erfülltes Leben.« Aber dann. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Hiob verliert alles: seine Familie, seinen Wohlstand, seine Gesundheit. Er wird zum Häufchen Elend. Da macht ihm seine Frau einen zynischen Vorschlag: »Hältst Du noch fest an Deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!« (Hiob 2,9).

Aber von wegen: Hiob tut das Gegenteil. Er hält die Beziehung zu Gott aufrecht und er kämpft um sein Weiterleben, auch wenn es leidvoll ist. Hiob redet mit Gott. Und in langen Gesprächen erfährt er, dass das Geheimnis seines Leidens nicht weg zu erklären ist. Sein Problem ist nicht zu lösen, sondern nur zu leben. Die Antwort liegt im gelebten Glauben. Und umgekehrt hört Hiob sich an, was Gott zu sagen hat. Hiob schweigt darauf ganz lange. Es braucht Zeit, bis Vertrauen zwischen ihm und Gott wachsen kann, das keine Erklärung für das Leiden mehr einfordert. Und durch das lange Reden, Hören und Schweigen ändert sich Hiobs bisherige Vorstellung von Gott.

Er weiß jetzt, dass er keine schlüssige Antwort bekommt, aber Gott immer gegenwärtig und aufmerksam in allem Leiden dabei ist. Den er dann seinen Erlöser nennt. »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt« – weil er erleichtert merkt, wie er – ohne Antworten – im Vertrauen auf die Beziehung zu Gott leben kann. Und das macht ihn stark. Glaubensstark.

Björn-Hendrik Fischer