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Monatsspruch Oktober 2020

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. (Jeremia 29,7)

Wer unter uns mag nicht lebenslang danach streben, dass es ihm möglichst wohl ergehen möge in dieser Welt? Jeremia will uns in diesem Sinne heilsam den Horizont weiten; möglicherweise gar die Augen für Zusammenhänge öffnen: Ganz ohne Zweifel vermögen wir zu verspüren, dass unser eigenes Wohlgefühl nicht gänzlich unabhängig von den Menschen neben mir zu denken ist. Naturgemäß wird unsere Fürsorge dabei zuerst all jenen Menschen gelten, die uns am nächsten stehen. Die, die uns ganz besonders ans Herz gewachsen sind. In ganz ähnlicher Weise mag uns dann das Wohlergehen all derer berühren, die wir Freunde nennen. Die Menschen, mit denen wir uns so gern umgeben. Und nicht zuletzt gilt dann unser Augenmerk auch all denen, die uns in den verschiedenen Lebensbezügen anvertraut sind und für die wir Verantwortung tragen.

„Lasst nicht nach im Bemühen um das Wohlergehen aller und genauso auch in der Fürbitte; denn im Wohlergehen des gesellschaftlichen Miteinanders liegt euer Wohl.“

Weit mehr als es uns zu anderen Zeiten plausibel erscheinen mag, wird uns die tiefe Wahrheit dieses Ratschlags geradezu hautnah in der Coronavirus-Epidemie offenbar. Unser Wohlergehen ist in jeder Beziehung und ausnahmslos auf ein gesundes, auf ein füreinander sorgendes, ja achtsames Miteinander angewiesen. Auch, wenn es kritisch zwischen uns werden sollte und wir aus gutem Grund Abstand halten, selbst dann tun wir gut daran, uns in unserer Sorge umeinander nicht aus den Augen zu verlieren. Unsere zu Zeiten so unfassbare Ohnmacht gegenüber der Macht dieses schier unsichtbaren Virus kann uns darin heilsam Demut lehren.

Jeremia legt uns nicht weniger eindringlich das Bewusstsein für die vertikale Dimension ans Herz: Dass wir hier leben dürfen samt all dem was jeden von uns so einzigartig und so wertvoll macht, das ist und das bleibt einfach nur gnädig geschenkt. Was wir zu deutsch mit „Wohlergehen“ oder auch „einander freundlich begegnen“ übersetzen, heißt im Hebräischen „Schalom“.

„Suchet der Stadt Bestes!“ Wie wunderbar, wenn dies weit mehr als nur ein frommer Wunsch bliebe; hier bei uns und weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus.

Pfarrerin Sigrun Zemmrich