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29.07.2018

Ein spannender Fund in der Turmkugel

Kategorie: Allgemein

Es war schon sehr interessant, was da am 17. Juni 2018 auf der Tafel im Prescherzimmer ausgebreitet lag – und dabei waren diese Gegenstände nur ein Teil des Inhalts der Turmkugel.

Diese enthielt drei Kassetten, gefüllt mit alten Dokumenten, Münzen und Urkunden, die bis in das Jahr 1746 zurückreichten. Unter anderem war auch ein Bild des Pfarrers Johann Gottlob Trautschold dabei.

Wer war dieser Pfarrer?

Auf unserer Pfarrerliste steht er zwischen den Pfarrern Flemming und Wahl. Geboren wurde Johann Gottlob Trautschold am 26. Februar 1777 in Pößneck, als Sohn eines Pfarrers. Er besuchte das Gymnasium in Eisleben und studierte von 1795 bis 1799 an der Universität Leipzig Theologie.

Seine erste Stelle fand er als Hilfsprediger seines Vaters und von 1804 bis 1807 wirkte er als Hauslehrer in der gräflichen Familie von der Schulenburg. 1808 wurde er Vikar in Dresden Friedrichstadt und 1814 Pfarrer in Gröbern. 1824 zu Michaelis trat er seine Stelle als Pfarrer in Kötzschenbroda an, die er bis zu seiner Emeritierung 1852 inne hatte. Er war verheiratet und hatte einen Sohn und eine Tochter.

Pfarrer Trautschold muss ein außerordentlich begabter Mensch gewesen sein. In der Chronik von Gustav Wilhelm Schubert werden besonders seine hervorragenden Predigten erwähnt für die er mehrfach belobigt und ausgezeichnet wurde. Auch seine, musische und vor allem musikalische Begabung muss bedeutend gewesen sein. So wird berichtet, dass er immer wieder Festgesänge, Kirchenlieder und Lobgesänge verfasst habe.

Er muss aber auch viel Sinn für praktische Dinge gehabt haben und verstand es, mit der Gemeinde und den umliegenden Ortschaften kirchliche Feste zu feiern.

Schon 1827, also nur 2 bis 3 Jahre nach seinem Amtsantritt, wird das Innere der Kirche renoviert, nachdem in den Jahren 1826 und 1827 dafür Geld gesammelt worden war. Altar und Kanzel wurden neu staffiert, der Altarraum grau in grau gestrichen und das Kreuzgewölbe lichtblau mit Sternen gemalt. Der Taufstein wurde bronziert und mit blechernem Deckel versehen, die getäfelte Decke im Schiff der Kirche weiß mit violetten Rosetten bemalt. Die Emporkirchen erhielten einen Anstrich aus Leimfarbe. Wir müssen uns vor Augen halten, dass es sich um den Zustand der Kirche, wie sie nach dem 30-jährigen Krieg wiederaufgebaut wurde, also im überformten Renaissancestil, handelte, noch vor dem Umbau 1884/85.

Ob das unserem heutigen Geschmack entsprochen hätte und was hätte wohl die Denkmalpflege dazu gesagt?


Als nächstes Bauvorhaben folgte 1834 die Umdeckung des Kirchendachs auf der Nordseite. Der Turm wurde neu verputzt und am 26.8. der Turmknopf abgenommen und später restauriert wieder aufgesetzt.

Auch kirchliche Jubiläen wurden in der Amtszeit Pfarrer Trautscholds festlich begangen. So beschreibt der Chronist Moritz Lilie 1830 das Fest zur Erinnerung an den 300-jährigen Jahrestag der Übergabe des Augsburger Bekenntnisses vom 25. bis 27. Juni:

»Der Platz vor der Kirche wurde mit Kies bestreut, mit grünen Birken besetzt und eine hohe Ehrenpforte mit dem Bild der aufgehenden Sonne errichtet. Das Innere der Kirche war mit Orangerie und Blumengebinden dekoriert.«

Pfarrer Trautschold hatte unter dem Titel: »Acht Kirchenlieder für die evangelische Jubelfeier des Augsburger Glaubensbekenntnisses zum gottesdienstlichen Gebrauch« in nicht weniger als 135.000 Exemplaren drucken lassen und im ganzen Lande verbreitet. Die Predigt hatte das Thema: »Den guten Kampf, den die Bekenner der evangelischen Wahrheit vor 300 Jahren gekämpft«.

Am 2. Tag fand ein Kinderfest statt und am Abend brachte man dem Pfarrer ein Fackelständchen. Am 3. Tag gab es nach einer kurzen kirchlichen Feier gesellige Vergnügungen.

Auch der 300. Jahrestag der Einführung der Reformation in Sachsen wurde am 31. Oktober 1839 festlich begangen. Besonders festlich und ausgiebig wurde der 200. Jahrestag der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages zwischen Sachsen und Schweden begangen, der als Vorläufer des westfälischen Friedens gilt. Er fand vom 24. bis 27. August 1845 statt und wurde mit dem Erntefest verbunden.

Glockengeläut, Musik vom Turm, Festzug, Schmückung der Häuser mit Fahnen und Laubgebinden, Blumen, Inschriften und Ehrenpforten an den Straßen, an welchen der Zug nach der Kirche vorbei musste, gehörten zur Ausschmückung des Ortes. Der Platz vor der Kirche war mit Kies belegt und mit Birken in einen anmutigen Hain verwandelt worden. Das Innere der Kirche zeigte reichen Blumenschmuck Erntegerätschaften und Garben sowie eine Sammlung alter Waffen aus der Zeit des 30-jährigen Krieges.

Nach Vokal- und Instrumentalmusik, fand die Gedächtnispredigt statt. Nachmittags zogen die Kinder in einem Festzug durch den Ort, anschließend ein Umzug der Schützen (mit Armbrust, ohne Feuerwaffen). Der darauffolgende Tag gipfelte in einem allgemeinen Volksfest. Am Vormittag waren im Pfarrhof an dem Tisch, auf dem der Waffenstillstand unterzeichnet worden war, Ehrengäste begrüßt worden.

Pfarrer Trautschold hielt eine Rede zur Bedeutung des Festes. Auch wurden Gesänge dargeboten, die der Pfarrer verfasst hatte. Danach formierte sich wieder ein Festzug zu einem auf einem Feld errichten Festplatz. Eingeladen waren die Wilsdruffer Stadtkapelle, das Burgksche Bergorchester aus Potschappel sowie die Einwohner der umliegenden Gemeinden. Der Andrang war so groß – es wurden 16.000 Gäste gezählt – dass schon um die Mittagszeit alles Genießbare ausverkauft war!

Den Abschluss des 4-tägigen Festes bildete ein großes Feuerwerk, zu dessen Herstellung das königliche Kriegsministerium 2 Feuerwerker von der Artillerie nach Kötzschenbroda kommandiert hatte, die sich vier Wochen darauf einübten.

Zur finanziellen Unterstützung war das alte Pfarrhaus lithographiert worden und die Kopien wurden zu 3 Neugroschen verkauft. Weiterhin wurden 2 Gedenkmünzen (Silber zu 11⁄2 Taler und Bronze zu 1⁄2 Taler) herausgegeben.

Neben der segensreichen Tätigkeit für die Gemeinde, regelmäßigen Gottesdiensten, im Sommer sonntags 8 Uhr, im Winter um 8.30 Uhr, bildete Pfarrer Trautschold vier Vikare aus und hinterließ eine Vielzahl von Kirchenliedern, Predigten und Dichtungen, die zum großen Teil gedruckt wurden.

Als weitere Neuerungen in der Gemeinde sorgte er für eine Umfassungsmauer um den Gottesacker und die Einstellung eines Totenmeisters zur Aushebung der Gräber (vorher mussten die Angehörigen selber dafür sorgen.)

Und wie kommt nun sein Bild in den Turmknopf unserer abgenommenen Turmspitze?

In dieser fanden sich drei Kapseln. Sie stammen von 1746, 1834 und 1912. Zwei davon wurden geöffnet und ihr Inhalt am 17. Juni auf dem Tisch im Prescherzimmer der Gemeinde präsentiert.

1746 war der Turm, der nach dem Wiederaufbau der Kirche nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg errichtet worden war, unter der Leitung eines Schülers von George Bähr barock umgestaltet worden.Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Dokumente eingelegt.

1834 wurde der Turm wieder renoviert und erhielt eine weitere Kapsel. Es war die Amtszeit von Pfarrer Trautschold und so kam auch sein Bild hinein.

1885 erhielt die völlig umgebaute Kirche wieder einen neuen Turm, wieder wurden neue Dokumente eingelegt, ebenso 1912, nun in einer dritten Kapsel.

Auch von der Renovierung 1962/63 finden sich Zeitdokumente. Wir können also gespannt sein, was die dritte Kapsel enthält. Am 18. August soll der Inhalt aller Kapseln der Gemeinde gezeigt werden, ehe die renovierte Turmspitze wieder auf den Kirchturm aufgesetzt wird. Sicher werden auch Zeugen unserer Zeit hineinkommen. Dann kann eine spätere Generation von Gemeindemitgliedern darüber staunen.

Ursula Martin

Pfarrers Trautschold