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FRIEDENSGRUSS

Ausgabe:
02-03/12

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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

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Aufmacherbild: Florian Wentzel

Florian Wentzel

Öffentlichkeitsarbeit & Internet

"Die Technik ist für mich eine Brücke zu den Menschen"

Seit wann leben Sie in Radebeul?

Schon immer, hier bin ich behütet aufgewachsen. Ich war im Ev. Kindergarten und wurde von meinen Eltern christlich erzogen. Ich ging in die Christenlehre, danach in den Konfirmandenunterricht und war später in der Jungen Gemeinde bei Pfarrer Fuhrmann. Obwohl diese Zeit sehr schön war, muss ich sagen, dass ich in meiner Jugend im Glauben nicht weiter kam. Ich lebte als erzogener Christ und hatte keine besonders große innere Beteiligung dabei. Ich war nicht in den "Jungen Pionieren" und ging nicht zur Jugendweihe - unsere Lehrer waren zum Glück sehr tolerant eingestellt. Zur Wendezeit 1989 war ich in der 10. Klasse. Normalerweise hätte ich durch meine politische Einstellung keine Zulassung zur Erweiterten Oberschule erhalten.

Aber plötzlich war alles anders, und ich konnte das Abitur machen. Nach dem Zivildienst studierte ich Medientechnik - einen neuen Studiengang, der zu meiner Vorliebe Technik und Computer passte.

Wie ging Ihr Leben als Christ weiter?

Meine erste wirkliche Erfahrung mit Gott hatte ich mit 18 Jahren. Meine damalige Freundin hatte mich immer mehr links liegen gelassen, ich war sehr deprimiert und wusste nicht, wie alles weitergehen sollte. Es war Ostersonntagmorgen. Ich saß auf der Bank vor unserem Haus. Die Sonne ging auf und die Natur erwachte. Ich nahm das damals alles ganz bewusst wahr und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass es Gott wirklich gibt.

Aber trotzdem entwickelte sich mein Christsein nicht weiter - ich fragte mich nicht: "Was habe ich davon". Ich hatte einen vorwiegend weltlichen Freundeskreis. Während des Studiums hatte ich einen schweren Motorradunfall. Aber auch danach habe ich meinen Heilungsprozess, auch aus den Erfahrungen meines Zivildienstes heraus, mehr aus weltlicher Sicht betrachtet.

Wie ging Ihre berufliche Entwicklung weiter?

Nach dem Studium gingen viele meiner Freunde in den Westen, weil es dort mehr Chancen für eine berufliche Entwicklung gab (und gibt). Ich blieb hier, weil ich hier das elterliche Haus in familiärer Tradition weiterführen sollte und später auch wollte. Ich arbeitete erst als Freiberufler - später sogar mit eigener Werbeagentur und Angestellten.

Das war bestimmt eine ziemlich stressige Zeit?

Die Dinge entwickelten sich später so, dass ich meiner Angestellten kündigen musste. Mein Einkommen reichte hinten und vorne nicht aus. Ich war an einem Punkt angekommen, wo ich an allem Weltlichen zweifelte und mich selbst fast aufgegeben hatte.

Wie haben Sie es geschafft, aus dieser auch sehr persönlichen Krise wieder herauszukommen?

Neben der liebevollen Unterstützung meiner Frau begann für mich ein immer intensiverer Kontakt zu meinem Halbbruder (Wolfgang Wentzel) - der schon lange fest im Glauben steht. Am tiefsten Punkt meines bisherigen Lebens kam mir Gott näher und näher.

Später nahm er mich mit zu einer Männerkonferenz nach Bad Gandersheim, einem überkonfessionellen Schulungszentrum. Es war ein intensives Wochenende mit interessanten Vorlesungen, Seminaren und Lobpreis. Dort habe ich erfahren: Es gibt noch mehr Leute, die mit Gott leben und eine persönliche Beziehung zu ihm haben. Ein wichtiger Impuls für mich war, dass man uns sagte: "Geht in eure Gemeinden, macht dort mit" Ich machte mich auf den Weg und wollte mich in unserer Gemeinde einbringen und Leute kennen lernen.

Seit wann engagieren Sie sich für die Öffentlichkeitsarbeit in unserer Gemeinde?

In unserem "Friedensgruß" las ich einen Aufruf zur Mitarbeit. Ich schrieb einen Brief an Pfarrer Salzmann, bot ihm meine Mitarbeit an und begann mit der Erstellung einer Homepage für unsere Gemeinde. Seitdem beteilige ich mich an der Arbeit der Öffentlichkeitskommission. Als Erstes beschäftigten wir uns mit dem neuen Logo - später mit einem Flyer. Allerdings lernt man dabei die Gemeinde nicht persönlich kennen.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Ich "baue" an einer neuen Homepage für unsere Gemeinde. Wenn sie der Kirchenvorstand freigibt, wird sie nach dem Erscheinen dieser Ausgabe online sein.

Was ist dabei Ihr persönliches Anliegen?

Für mich wäre es ideal, mit Leuten aus unserer Gemeinde über das tägliche Leben mit Gott ins Gespräch zu kommen. Die Technik ist für mich da eine Brücke zu den Menschen. Es wird auf der neuen Homepage ein Forum geben. Vielleicht gelingt es, sich dort mit anderen Christen über verschiedene Themen auszutauschen.

Es wäre nicht nur für mich interessant, von anderen Gemeindemitgliedern zu lesen, was sie für Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Leute, die glaubensmäßig "auf der Schwelle stehen", müssen wir abholen, sonst verlieren wir sie in unserer Gemeinde.

Wir alle sollten uns eine Sensibilität für Menschen bewahren, die auf der Suche sind. Das dürfen wir als Gemeinde nicht nur den Pfarrern überlassen.

Wie geht es Ihnen jetzt?

Seit einem Jahr lerne ich im Posaunenchor Posaune spielen. Mir gefällt sehr, dass wir ganz bewusst zum Lobe Gottes spielen. Mit meiner Frau singe ich im Chor der Johanneskapelle. Ich bin froh, mit Jesus und Gott einen Weg zu gehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich etwas mit Gott machen will, schafft er mir an anderer Stelle Freiräume und nimmt mir Lasten ab.

Es gibt noch viele Ideen für weitere Projekte – auch über die Arbeit an der Internetseite hinaus. Ich möchte Sie gerne einladen, sich auf der Homepage im Forum an Diskussion, Planung und auch an der Verwirklichung zu beteiligen. Gerne können Sie sich aber auch direkt an mich wenden.

Das Interview führte Barbara Heinrich

Das Interview wurde aus der Druckausgabe des Friedensgruß 12/2006 Übernommen.

letzte Aktualisierung: 24.01.2012
148462026.09.2006