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FRIEDENSGRUSS

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02-03/12

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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

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Gedanken zum Monatsspruch

September 2008

Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. (Jeremia 31,3)

„Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben. Ich bin dir treu wie am ersten Tag.“

Das könnten Worte sein, die Ehepartner einander nach langer Zeit sagen – anlässlich eines Ehejubiläums oder einfach, weil sie sich in einer guten Stunde des Reichtums ihrer Beziehung bewusst werden. Schön, wenn solche Worte ausgesprochen werden. Sie sind für mich keineswegs Ausdruck einer stets harmonischen Partnerschaft, in der „nie ein böses Wort gefallen“ ist. Ich meine, dass es da sehr wohl Spannungen gegeben hat. Zeiten der Verunsicherung, Zeiten auch der Funkstille. Zeiten, in denen die Partner aneinander gelitten haben, in denen es kaum noch Verstehen gab. Gerade deshalb muss dieses jetzt gesagt werden: Auch wenn es manchmal nicht so schien, auch wenn du das Gefühl haben musstest, ich sei deiner überdrüssig, du seiest mir gleichgültig – es war nicht so. Du bist mir wichtig geblieben, auch in Zeiten der Auseinandersetzung und der Sprachlosigkeit. Ich bin dir treu wie am ersten Tag. Es ist schön, wenn Liebende sich das sagen können.

Der hier spricht ist Gott. Eine lange Beziehung gibt es zwischen ihm und seinem Volk, dem Volk Israel, dem Volk der Glaubenden. Da gab es gegenseitig viel Ärgerliches: Gott sah ein Volk, das immer wieder auf Abwege geriet, in dem Unrecht und Rücksichtslosigkeit sich breit machten. Das Volk wiederum meinte, von Gott verlassen zu sein. Damals im babylonischen Exil waren sie der Willkür der Mächtigen ausgesetzt. Sie fühlten sich ausgeliefert, gedemütigt und fragten: Wo bist denn du nun, unser Gott? Gleichzeitig konnten sie gute Erfahrungen machen: Im neu bewusst werdenden Feiern des Sabbats entdeckten sie eine heilsame Struktur für ihr Leben, eine Kraftquelle. In der Auseinandersetzung mit der Wissenschaft der Babylonier begannen sie in neuer Weise Gott als souveränen Gestalter der Welt zu begreifen. Sie mögen sich diesem Gott nun neu öffnen und seine Worte, von Prophetenmund verkündet, tief in sich aufnehmen: Ich habe nie aufgehört dich zu lieben, ich bin dir treu wie am ersten Tag. Mit diesem lebendigen Gott können sie sich vorstellen, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Auch für uns stehen Aufbrüche an. Im September beginnt vieles neu: Das Schuljahr, das Studium. Manche sind ins Ausland gegangen, um dort neue Erfahrungen zu gewinnen. Neue Kirchenvorstände werden gewählt. Ich freue mich über die Kandidaten, die in diesem Friedensgruß vorgestellt werden. Menschen sind bereit, Ideen, Kraft und Zeit einzubringen, um die Gemeinde und das Leben in ihr zu fördern.

Es gibt großartige Aufgaben. Bei Jeremia werden sie nachfolgend beschrieben: Es ist die Rede vom Bauen, wobei der eigentliche Baumeister Gott ist, es ist die Rede von einem fröhlichen Zusammenleben: Pauken laden zum Tanz. Weinberge sollen gepflanzt und Früchte genossen werden. Bei aller Begeisterung über unser Herbst- und Weinfest wollen wir nicht vergessen, dass mit dem Weinberg in der Bibel eine gerechte Gesellschaft beschrieben wird, durch deren Früchte alle satt werden, und zwar an Leib und Seele. Das sind doch schöne Perspektiven, die Gott da aufzeigt. Er hört eben nie auf, uns zu lieben.

Michael Schleinitz

letzte Aktualisierung: 24.01.2012
148462026.09.2006