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FRIEDENSGRUSS

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Aufmacherbild: Gedanken zum Monatsspruch

Gedanken zum Monatsspruch

Monat Oktober 2007

Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist! (Psalm 19,13)

Auf unserem Titelbild sehen Sie ein Fens ter. Hinter den Scheiben erkennen wir zwei Leuchter mit jeweils drei Kerzen, alles andere verschwimmt. Die Dinge, die sich noch im Raum befinden, können wir nur erahnen.

Ist dieses Bild vielleicht auch ein Sinnbild unsres Lebens? Oft hasten wir von Termin zu Termin. Die Zeit rast. Wir nehmen nur die vordergründigen Sachen wahr. Zum tiefen, genauen Hinblicken fehlt die Zeit. Unser Monatsspruch spricht von den eigenen Fehlern, die ich nicht sehe, von der Schuld, die ich verdränge.

Was mache ich mit meiner Wut, die in mir hochkommt, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle? Wie groß ist die Angst um mich selbst, wenn andere mich in den Hintergrund drängen. Greife ich ein, wenn neben mir einer gemobbt wird? Bin ich ehrlich oder denke ich nicht viel zu oft: Die anderen machen es ja genau so!? Bin ich nicht auch bequem und oft genug wohl auch feige? Was mache ich mit meinem schlechten Gewissen? Regt es mich auf, dass es auf dieser Welt doch sehr ungerecht zugeht? An unseren Überfluss haben wir uns schon lange gewöhnt. Aber die Tatsache, dass die Güter dieser Erde sehr unterschiedlich verteilt sind, hat sich ja nicht verändert.

In viele Dinge bin ich automatisch involviert, weil ich zu der Zeit, an dem Ort, mit der Verantwortung lebe. Nicht immer ist mir bewusst, dass ich mich dabei auch schuldig mache. Die Zeit ist schnelllebig, verdrängen scheint leichter als innezuhalten. Und mit den Gedanken, dass die anderen es doch genauso machen, beruhige ich mein Gewissen. Wenn die Bibel von Sünde spricht, meint sie nicht nur die einzelne Tat. Sünde ist auch ein Zustand. Als Mensch bin ich unvollkommen, und mein Handeln ist nicht frei von Schwächen, Fehlern und Versagen. Davon kann ich mich nicht selbst erlösen.

In unserer Gottesdienstliturgie gibt es die allgemeine Beichte. Im Beichtgebet bitte ich Gott um Vergebung für das, was misslungen ist. Über die Jahre ist dieses Gebet mir zu einem sehr wichtigen Punkt im Gottesdienst geworden. Ich möchte von einem Erlebnis erzählen, das mich beeindruckt hat:

Wir waren in Taíze. Taíze ist ein kleiner Ort in Frankreich, an dem sich nach dem Krieg eine ökumenische Bruderschaft niedergelassen hat. Heute treffen sich dort jede Woche viele Hundert Menschen aus allen Teilen der Welt, um miteinander zu beten, zu singen, über Gott und die Bibel zu sprechen. Zum Freitagsgottesdienst wird in Taíze das Kreuz in die Mitte gelegt. Menschen beten am Kreuz Christi. Und nach dem Gottesdienst standen Priester bereit, zehn oder fünfzehn, um den Menschen die Beichte, die Schuld abzunehmen. Nach Taíze kommen vor allen Dingen junge Leute. Sie standen Schlange, warteten geduldig und empfingen Gottes Segen und den Zuspruch der Vergebung. Es war auch keine steife Atmosphäre, sondern dies alles geschah ganz ungezwungen. Es gehörte zum Leben einfach dazu, es war normal.

Schade dachte ich, dass wir diese Tradition in dieser Selbstverständlichkeit so nicht kennen.

Aber ich möchte Ihnen Mut machen, innezuhalten und Schuld auch auszusprechen. Keiner kann sich selbst erlösen. Und ich möchte Ihnen Mut machen, mit den Worten des Psalmisten zu beten: Gott, sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist.

Brigitte Schleinitz (Oktober 2007)

letzte Aktualisierung: 24.01.2012
148462026.09.2006