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FRIEDENSGRUSS

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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

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Gedanken zum Monatsspruch

November 2006

"Siehe, ich mache alles neu" - das könnte die Beschreibung unserer Wegwerfgesellschaft sein. Ans Wegwerfen und Neukaufen haben wir uns schon lange gewöhnt.

Und die atemberaubende Entwicklung der Technik in der Computerbranche z.B. lässt uns manchmal ja auch gar keine andere Wahl.

Aber das ist sicherlich nicht gemeint mit diesem biblischen Wort aus dem letzten Buch der Bibel: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.

Was verbirgt sich hinter dieser Verheißung? Mir sind es sehr vertraute Worte. Worte, die mit Menschen, mit Gesichtern verbunden sind! Ich stehe am offenen Grab gemeinsam mit Angehörigen und Freunden. Der Sarg wird ins Grab gesenkt. Und dann lese ich folgende Worte: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind nicht mehr... Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen. Und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,1–5).

Eine neue Zukunft eröffnet sich für Verstorbene. Eine Zukunft, die wir den Weg in die Ewigkeit nennen, das Sein bei Gott. Ein anderes Leben beginnt auch für die nächsten Angehörigen. So wird jeder Abschied auch zu einem neuen Anfang. Den Monat November erleben wir oft als grau und trübe, weil er uns unsere Vergänglichkeit vor Augen führt. Wir gedenken unserer Toten.

In den Gottesdiensten am Ewigkeitssonntag werden die Namen der Verstorbenen des letzten Kirchenjahres gelesen. Auch die Natur rings herum erstirbt und bettet sich zur Ruhe. Aber wir wissen, auch hier ist es ein Ruhen, um neu leben. Schon nach wenigen Monaten wird alles mit frischer Kraft zu neuem Leben erblühen. Der Schreiber dieser Verse ist der Seher Johannes. Es ist die Zeit einer furchtbaren Christenverfolgung. Als Christ erkannt zu werden, kann den Tod bedeuten. Johannes, der selbst als Verbannter auf der Insel Patmos lebt, weiß um die Leiden seiner Schwestern und Brüder. Er bekommt eine neue Sicht des Lebens geschenkt. Der Blick, der über das Jetzt, das Vergängliche, das Gegenwärtige hinausgeht. Und dieser Blick hilft die Gegenwart auszuhalten, ohne innerlich an ihr zu zerbrechen und schenkt einen langen Atem. Ich darf aufrecht gehen, ich kann Angst und Verzweiflung überwinden, um neu zu leben. Dieses biblische „Siehe, ich mache alles neu“ ist keine Werbung für unsere Wegwerfgesellschaft, keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern es ist Kraft und Hoffnung für das Leben, für unseren Alltag.

Brigitte Schleinitz

letzte Aktualisierung: 24.01.2012
148462026.09.2006