Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
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Ich denke an die Frau, der die Ärzte keine Überlebenschance gaben.
Im Sommer besuchte ich sie auf der Intensivstation. Ich betete für sie, segnete sie. Ich verabschiedete mich innerlich von ihr, denn es war kurz vor unserem Urlaub. Ich dachte, ich sehe sie nicht wieder.
Jetzt wohnt sie wieder allein zu Hause, nicht als Pflegefall, sondern selbstständig, wie vor dem Sommer. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!
Vielleicht fallen Ihnen ähnliche Erlebnisse ein. Vielleicht kennen Sie Menschen, die geheilt wurden, vielleicht denken Sie an Momente in Ihrem Leben,wo Sie dachten: Das kann ich nicht, das schaffe ich nicht, und dann haben Sie es doch mit Gottes Hilfe wunderbar gemeistert.
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Ich glaube, in irgendeiner Form haben wir das alle schon erlebt. Um so erstaunter war ich, als ich den biblischen Kontext las. Die Jahreslosung bildet den Abschluss der Geschichte vom reichen Jüngling.
Ein junger Mann kommt zu Jesus und fragt: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
Jesus antwortet: Du kennst die Gebote: „Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten…“
Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend an.
Da antwortete Jesus: Eins fehlt dir noch, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! Da wurde der junge Mann traurig, denn er war sehr reich.
Jesus aber sprach: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Die Menschen sprachen: Wer kann dann selig werden?
Und Jesus antwortet: Was bei den Menschen unmöglich ist, dass ist bei Gott möglich.
Vielleicht denken Sie jetzt: Ach so ist das gemeint. Aber das wissen wir ja schon: Selig werden kann ich nur durch Glauben, nicht aus mir selbst heraus.
Und dann legen wir diese Geschichte mit der Jahreslosung beiseite. Das möchte ich nicht! Dann macht diese Geschichte mit mir nichts, fordert mich nicht mehr heraus. Für mich geht es ums LOSLASSEN. Und dass das eine sehr schmerzhafte Erfahrung ist, das spüren zur Zeit gerade auch wir Reichen. Vielleicht kann die Finanzkrise so auch zu einer heilsamen Erfahrung werden, zumindest für Einzelne. Und letzten Endes geht es ja auch nicht nur ums Geld, sondern LOSLASSEN muss ich ja im Leben viel mehr: Meine Ängste, so manche Vorstellungen und Ideen, Hoffnungen, Träume, meine Kinder, damit sie erwachsen werden können. Damit Neues werden kann. Manche werden in diesem Jahr ihre Arbeit loslassen müssen. Manchmal muss ich auch Menschen loslassen, die ich lieb habe. Und wenn es Gott will, muss ich auch mein Leben loslassen. Damit Neues werden kann. Das kann ich nicht aus mir selbst heraus, nicht aus eigenen Kräften.
Dazu helfe uns Gott. Dazu helfe mir Gott. Das ist mein Gebet für Sie, für mich. Denn was bei uns Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Brigitte Schleinitz













