Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
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Ich war sehr überrascht, als mir Herr Dr. Schubert von der Stadtverwaltung mitteilte, dass ich für den Kunstpreis der Stadt Radebeul vorgeschlagen bin. Ich denke, dass die kirchenmusikalische Ausstrahlung während meiner Dienstzeit über die Grenzen der Kirchgemeinde hinaus ging. Das freut und ehrt mich sehr.
Im Sommer feierten Sie mit Ihrer Frau Ihr Goldenes Hochzeitsfest. Außerdem war es genau vor 50 Jahren, als Sie ihren Dienst hier in unserer Gemeinde antraten. Wie begann das damals genau?
Der damalige Pfarramtsleiter der Friedenskirchgemeinde, Herr Pfarrer Richter, erzählte mir, dass die Gemeinde einen neuen Kantor sucht. Obwohl ich noch nicht mit meiner Ausbildung fertig war, bewarb ich mich mit noch zwei Kandidaten für diese Stelle.
Am 3. März 1954 schickte Pfarrer Richter ein Telegramm an den cand. mus. Hoch: „Einstimmig gewaehlt – Herzliche Glueckwuensche = Richter“
Und am 29. Juni 1954 bestand ich meine letzte Prüfung. Am 29. Juli 1954 war unsere Hochzeit und am 29. August 1954 begann ich meinen Dienst als Kantor und Organist in der Radebeuler Friedenskirche.
Gab es damals schon eine Kurrende?
Nicht mehr. Ich übernahm einen Kirchenchor, in welchem keine jungen Leute mehr waren. Es musste unbedingt für Nachwuchs gesorgt werden. Im Gemeindeblatt wurde ein entsprechender Aufruf gestartet. Am 11. September 1954 kamen 11 interessierte Kinder ins Bach-Zimmer des Lutherhauses.
Der Aufbau der Kurrende war dann also Ihre erste Aufgabe?
Die Kurrendearbeit war eines meiner Hauptgebiete. Die Kinder sind die Zukunft des Chores, die Zukunft der Gemeinde.
Für die jüngeren Kinder gab es doch noch die Singschule.
Ja, die Singschule begann 1956. Kinder im Alter von 7 bzw. 8 Jahren bis ca. 10 Jahren wurden auf das Singen in der Kurrende vorbereitet. Sie lernten u.a. Rhythmus, Hören, Aussprache, Disziplin beim Chorgesang.
Es war sicher nicht immer einfach, mit 25 bis 30 Kindern konzentriert zu arbeiten und zu musizieren.
Jede Kurrendestunde begann mit einem Osterchoral als Gebet: „Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen…, Dieser Beginn war für die Kinder ein Ritual und half, zur Ruhe zu kommen, um sich auf das gemeinsame Singen einzustellen.
Ich verlangte schon in gewisser Weise Disziplin. Das war aber auch wichtig für eine erfolgreiche Chorarbeit. Großen Wert legte ich u.a. auf das Auswendig lernen von bestimmtem Liedgut. Das zahlte sich bei unseren Einsätzen sehr aus. Aus meinen vielseitigen Kontakten mit den ehemaligen Kurrendanern weiß ich, dass viele die Freude am Singen auf ihrem weiteren Lebensweg begleitete.
An die beliebten „Sommerlichen Serenaden“ erinnern sich viele Radebeuler noch sehr gern.
1955 fand die erste Serenade statt. Wenn es das Wetter erlaubte, fand dieses alljährliche Sommerkonzert mit allen Chören hinter der Kirche oder dem Lutherhaus statt.
Es wurden viele Volkslieder gesungen und musiziert. Die Kurrende führte eine fröhliche Kantate auf, welche meist mit selbstgemalten, großformatigen Bildern illustriert wurde.
Eine schöne Erinnerung der „Kurrendaner“ ist das Singen in der Weihnachtszeit an verschiedenen Orten in unserer Stadt.
An den Adventssonnabenden besuchten wir alte, kranke und einsame Menschen unserer Gemeinde und sangen für sie Weihnachtslieder. Ein Sonntag war immer für das Singen in unserem Krankenhaus vorgesehen. Wir erfreuten die Patienten mit unseren Liedern. Auch im Bahnhof Radebeul-West, auf der Treppe (bei einer tollen Akustik) und unter dem Tannenbaum auf dem Bahnhofsvorplatz hatten wir unsere weihnachtlichen Auftritte.
Und eines muss ich betonen: Meine Frau stand immer 100%-ig hinter meiner Arbeit und hat mich unterstützt, wo und wie sie nur konnte. Ohne ihre Hilfe hätte vieles nicht so funktioniert.
Sie haben aber auch Klavierunterricht gegeben.
Ich habe etwa 100 Kindern unserer Gemeinde Klavierunterricht erteilt. Außerdem war ich 40 Jahre lang Lehrer an der Kirchenmusikschule in Dresden und unterrichtete dort junge Menschen.
Wann war es denn möglich, mit der Kantorei das erste größere Werk aufzuführen?
Der Erneuerungsprozess des Chores dauerte ca. 5 Jahre, das heißt, die Kantorei hatte sich verjüngt und vergrößert und auch qualitativ verbessert. Das erste große Werk war das „Weihnachtsoratorium“ und das „Magnificat“ von J.S. Bach am 1. Dezember 1960. Am 29. September 1963 wurde nach der Renovierung unserer Kirche ein Festgottesdienst mit dem Bischof gefeiert. Die Kantorei führte am Abend „Die Schöpfung“ von Haydn auf. Als Solistin konnte ich Adele Stolte (Potsdam) gewinnen.
Welche berühmten Sänger traten außerdem zusammen mit der Kantorei auf?
1985 zum Weihnachtsoratorium kam Peter Schreier. Andere Solisten waren Elisabeth Wilke, Andreas Scheibner, Ute Selbig, Gisela Burkhard u. a. Durch ihre Mitwirkung, auch in der Reihe „Kostbarkeiten aus Literatur und Musik“, wurden diese Konzerte ein besonderes Erlebnis. Ich wollte aber nicht nur bekannte Sängerinnen und Sänger für unsere Aufführungen engagieren. Ich hatte mir u.a. zum Ziel gesetzt, junge, talentierte und noch relativ unbekannte Solisten herauszubringen.
1993 gingen Sie in den wohlverdienten Ruhestand. Aber so ganz kann man wohl nicht von Ruhestand sprechen. Sie engagieren sich noch immer sehr für die „musica sacra“.
Ab und zu vertrete ich Kantoren in Gottesdiensten. 1996 wurde ich gefragt, ob ich die Abendgottesdienste mit Pfarrer Fritz in der Unterkirche der Frauenkirche in Dresden mit gestalten würde. Ich sagte sehr gern zu.
Aller 4 bis 5 Wochen bin ich an der kirchenmusikalischen Ausgestaltung dieser Gottesdienste beteiligt. Das macht mir viel Freude.
Ich frage oft Studenten der Kirchenmusikschule oder der Musikhochschule, ob sie bereit sind, dabei mit zu musizieren. Das geschieht ehrenamtlich. Im Dezember diesen Jahres wird es schon der 50. Gottesdienst sein, den ich mit gestalteten darf.
Das Interview führte Barbara Heinrich.
Das Interview wurde aus der Druckausgabe des Friedensgruss 10/2004 Übernommen.













