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FRIEDENSGRUSS

Ausgabe:
02-03/12

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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

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Aufmacherbild: Landesbischof Jochen Bohl

Landesbischof Jochen Bohl

"Zuhören ist eine zentrale Sache"

Seit einem halben Jahr sind Sie jetzt unser Landesbischof – fühlen Sie sich eingearbeitet?

Fühle ich mich eingearbeitet? Jedenfalls fühle ich mich vertrauter. Vieles ist immer noch neu. In den ersten Monaten war ich in den 25 Ephorien unserer Landeskirche unterwegs und lernte viel kennen. Bei meinen Besuchen in den unterschiedlichen Werken – wie z. B. der Jugend- und Männerarbeit, dem Ökumenischen Informationszentrum, der Landeskirchlichen Gemeinschaft und vielen anderen mehr – fanden sehr oft Gespräche mit der Mitarbeiterschaft statt. Ich halte mich für einen Menschen, der zuhören kann. Zuhören ist eine zentrale Sache.

Was änderte sich beim Wechsel vom Direktor des Diakonischen Amtes zum Landesbischof?

Ganz vordergründig: In der Bischofskanzlei sind wir zu dritt, im Diakonischen Amt waren wir „ein paar“ mehr. Das Bischofsamt ist ein besonderes geistliches Amt: Wie ist eine Gemeinschaft von Menschen auf dem gemeinsamen Weg zu führen? Wie kann ich in einer Zeit mit vielen Grautönen dazu beitragen, dass die Kirche den Kurs beibehält und ihrem Auftrag und Dienst gerecht wird? Ich bin viel damit beschäftigt, öffentlich zu reden und zu predigen. Das nimmt einen großen Teil meiner Zeit ein, auch die Vorbereitung. Die Menschen hören dem Bischof sehr gut und genau zu und haben besondere und berechtigte Erwartungen. Dem bemühe ich mich gerecht zu werden. Die Seelsorge ist für mich ein sehr wichtiger Bereich. In der Regel nehme ich mir wöchentlich einen Vormittag Zeit für Einzelgespräche.

Seit zehn Jahren leben Sie im Osten Deutschlands – wie sehen Sie das Verhältnis von Ost und West?

Ich habe da immer die Auffassung vertreten, dass es weniger um Ost und West geht. Deutschland ist mehr „landsmannschaftlich“ gewichtet. Die Unterschiede liegen zwischen Sachsen und Westfalen, Bayern und Preußen… das haben wir persönlich auch durch unsere unterschiedlichen Wohnorte erfahren. Jeder setzt sich dort, wo er lebt, mit dem auseinander, was anliegt. Das ist überall unterschiedlich. Der Ost-West-Unterschied verblasst zusehends.

Sie haben in der Vergangenheit oft auf die Gefahren der gegenwärtigen demografischen Entwicklung hingewiesen. Welche neuen Aufgaben sehen Sie für die Gemeinden?

Es ist erfreulich, dass Menschen ein immer höheres Lebensalter erreichen. Wir können das als ein Gnadengeschenk ansehen. Aber wir müssen die Tatsache auch sehr in den Blick nehmen, dass es zu wenig Kinder gibt, - eine schlimme Fehlentwicklung. Wer soll die Versorgung und Pflege der Alten übernehmen? Als Gemeinde wollen wir Mut machen zur Familiengründung, Mut machen, dass es ein lohnendes Ziel ist, das Leben weiter zu geben. Wir müssen helfen, dass Kinder zu fröhlichen Menschen heranwachsen können.

Noch ein anderes großes Thema: die Zusammenarbeit der beiden Konfessionen. Ihre Sicht?

Hinter uns liegt eine lange Phase, in welcher wir uns näher gekommen sind. Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung war ein wichtiger Abschluss. Auch der Ökumenische Kirchentag im vergangenen Jahr wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. Im Moment sind wir in einer Konsolidierungsphase. Es ist klar, dass wir als nächstes über das Amt sprechen müssen – da wird es sobald nicht den großen Durchbruch geben. Es besteht ein sehr guter Kontakt zu Bischof Reinelt. Erst heute haben wir telefoniert, nächste Woche werden wir uns wieder treffen… Für alles Erreichte können wir sehr dankbar sein.

Und wie geht es Ihnen hier in der Kirchgemeinde?

Vom ersten Tag an habe ich mich als Gemeindeglied wohl gefühlt, in den Gottesdiensten fühle ich mich zuhause. Die ganze Entwicklung der vergangenen 10 Jahre konnte ich miterleben. Die Gemeinde nutzt ihre Chancen, in die Stadt und in die Gesellschaft hineinzuwirken. Kindergarten, Schule, das Herbst- und Weinfest, die „Offene Kirche, GET, der Eine-Welt-Laden, Kirchenmusik und vieles andere tragen dazu bei. Das Gemeindeleben blüht. Es freut mich, dass so viele Kinder und Familien in unseren Gottesdiensten sind.

Gibt’s denn nichts Kritisches? 

Doch. Das Logo der Landeskirche sollte doch endlich mit im Friedensgruß erscheinen und bekannt werden.

Und wie regeneriert sich ein Landesbischof?

Dass ich Sport treibe, wissen alle. Meine Frau und die Kinder unterstützen mich sehr. Ich bin ein Familienmensch. Ich fühle mich wohl, wenn ich mit meinem Bruder und den Kindern, der Schwester und den Eltern zusammen sein kann. Das geistliche Leben ist mir zugewachsen, Beten und Bibellesen – nicht „nur“ die Losung- sind mir Fixpunkt und Antrieb. Und ich bin auch gern ein „normaler“ Gottesdienstbesucher.

Nachtrag (auch wenn die Unterzeichner es nicht ausdrücklich gesagt haben) Wir wünschen unserem Landesbischof, seiner Familie und allen, die mit ihm zusammenarbeiten, Gottes Segen und Kraft für alles Tun!


Barbara Heinrich und Wolfram Salzmann

Das Interview wurde aus der Druckausgabe des Friedensgruß 01/2005 übernommen.

letzte Aktualisierung: 24.01.2012
148462026.09.2006