Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Gästebuch
hinterlass
Deine Spuren
» einschreiben
Bereits mit drei Jahren
Die teilzerbombte Akademie war nur notdürftig hergerichtet, die großen Malsäle eiskalt, nur mit einem Kanonenofen, aber ohne Heizmaterial. Meiner Begeisterung für das Malen hat das keinen Abbruch getan, auch nicht, dass wir nur auf Packpapier arbeiten konnten (als Kind hatte ich meist nur Zeitungsränder zur Verfügung gehabt).Das Studium beendete ich 1950. Meine Anerkennung als freischaffende Malerin und Grafikerin hatte ich bereits nach dem 1. Semester bekommen.
Waren Sie immer freischaffend als Malerin und Grafikerin tätig?
Ja, immer. Seit 1950 zeichnete und malte ich im Auftrag verschiedener Verlage in Leipzig, Berlin, Pößneck, Rostock, Dresden. 35 Jahre erarbeitete ich Illustrationen für das Bibliografische Institut Leipzig (Meyers Lexikon). Ich gestaltete große Lehrtafeln, Plakate, Quartette sowie wissenschaftliche Illustrationen für den Akademieverlag Berlin.
Seit wann leben Sie in Radebeul?
1953 folgte ich meinem Mann, der sich 1951 eine Stelle als Flötist im Orchester der Landesbühnen Sachsen erspielt hatte, nach Radebeul. Diese Stadt ist mir zur lieben Wahlheimat geworden. 1954 wurde unser Sohn Max geboren.
Wie begann der Kontakt zu unserer Gemeinde?
Etwa 1959, mit dem Eintritt von Max in den Evangelischen Kindergarten auf der Wilhelm- Busch-Straße, baute sich eine feste Verbundenheit zur Gemeinde auf. In dieser Zeit begann die Freundschaft mit Adelheid Oehme "Tante Adelheid". Diese langjährige Freundschaft ist für mich ein Geschenk Gottes.
Sie sind immer beharrlich Ihren Weg gegangen.
Wovon ließen Sie sich leiten?
Leben und Werk müssen eins sein. Wenn mir je etwas Gutes gelingt, so ist das nicht mein Verdienst. Ich empfinde mich nur als Werkzeug dessen, der uns alle leitet und uns die Kraft dafür gibt. Denn: "Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun" (mein Konfirmationsspruch). Ich meine: Jedem ist etwas Besonderes, ein Talent, in die Wiege gelegt, und wir haben die Pflicht, damit zu arbeiten und es nicht zu vergraben. So verstehe ich auch meine Arbeit: Den Menschen zur Freude und zur Besinnung male ich meine Bilder, immer darauf bedacht, ihnen Hoffnung zu geben, aber sie auch aufzurütteln und sie auf die Nöte dieser Welt aufmerksam zu machen und zur Hilfe aufzurufen, um etwas von dem Leid zum Aufhören zu bringen (Albert Schweitzer).
Haben Sie Vorbilder?
Albert Schweitzer wurde mir mit seiner Ethik "Ehrfurcht vor dem Leben" zum Vorbild. Ehrfurcht vor allem Leben: Menschen, Tiere, die Natur. Gott schuf sie alle, und sie sind uns zum Schutz anvertraut und nicht zur Zerstörung. Ich habe Albert Schweitzer mehrfach gemalt. 1964 schickte ich ihm einen Linolschnitt in doppelter Ausfertigung nach Lambarene. Nach einem halben Jahr kam ein Druck mit seiner Unterschrift zurück! Damit ein kostbares Blatt.
Welche Themen bearbeiten Sie vorwiegend?
Der Schutz aller Schwachen ist mir wichtig: die Kinder, die Alten, die Tiere. Kinder und alte Leute spielen einem nichts mehr vor. Ich versuche, tiefer in die Gesichter hineinzuschauen und mehr als nur den äußeren Menschen darzustellen.
Unzählige Kinder habe ich schon gemalt. Nicht nur fröhliche (z.B. in den Zyklen "Kinder in unserer Welt", "Der Weg des Lebens und der Weg des Todes", "Vietnam-Krieg" u.a.). Das Kreuz spielt in meinem Leben eine wichtige Rolle. Es erscheint auf vielen meiner Bilder. Das Kreuz ist Zeichen der Nachfolge Christi: "Wer mich liebt, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Auch die drei Kreuze auf Golgatha beschäftigten mich sehr.
Immer wieder arbeite ich an biblischen Themen, z.B. Linolschnitte zur Lucas-Passion von Penderecky, Weihnachts- und Osterblätter, die Jahreslosungen und viele biblische Köpfe entstanden.
Wo haben Sie Ihre Bilder ausstellen können?
In DDR-Zeiten waren meine Arbeiten allenfalls in Kirchen zu sehen; denn in den Kunstausstellungen wurden sie jedes Mal ausjuriert. 2000 gab es in der Stadtgalerie in Altkötzschenbroda aus Anlass meines 75. Geburtstages eine Personalausstellung.
Danach folgten Ausstellungen in verschiedenen Einrichtungen in Dresden, Radeburg, Meißen, Königstein, Hetzdorf, in unserem Krankenhaus, der Erlebnisbibliothek Radebeul, in den Räumen der Kreissparkasse Radebeul-Mitte.
Ihr Mann hatte auch einen künstlerischen Beruf.
Er war Ihnen sicher in ihrer langjährigen Ehe ein guter Begleiter.
Wir hatten eine gute Ehe. Wir konnten uns immer aufeinander verlassen, und jeder ist mit dem Beruf des anderen mitgegangen. Den Tod meines Mannes habe ich auch mit Malen verarbeitet. Das letzte Bild, was ich von ihm malte, trägt den Titel "Sein Blick zurück auf die verrückte Welt" es ist ein hoffnungsvolles Bild!
Vielleicht wird es in diesem Jahr aus Anlass Ihres 80. Geburtstages wieder eine Ausstellung in Radebeul geben? Das wünschen wir Ihnen (und uns) sehr. Alles Gute für Sie, Gesundheit und viel Kraft!
Das Interview führte Barbara Heinrich
Das Interview wurde aus der Druckausgabe des Friedensgruß 04/2005 übernommen.













