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„Wir sind die tragbare Orgel Gottes“

Die Sächsische Posaunenmission-Sachsens größte Laienmusikvereinigung – sitzt in Radebeul

Aus den Dresdens Neuste Nachrichten von MADELEINE ARNDT aus dem Jahre 2008

Wöchentlich treffen sich 6142 Bläser/innen und Bläser der Sächsischen Posaunenmission e. V. zum gemeinsamen Spiel. Die Musiker blasen jedoch licht an einem Ort, sondern in den 58 Chören des instrumentalen Laien-musikverbandes über ganz Sachsen verstreut. Manchmal aber gibt es Ausnahmen: So musizierten 1997 zum 100-jährigen Bestehen der Mission in Leipzig 8400 Bläser aus Sachsen und Deutschland auf einem Fleck.

Die Posaunenmission entstand aus einer Bewegung zur Verbreitung des Evangeliums. „Wir sind sozusagen die tragbare Orgel Gottes", sagt Geschäftsführer Christoph Kunze. Vom Vereinssitz in Radebeul aus hält er alle Chöre der Mission zusammen. „Man sagt immer, der Kunze kann organisieren. Und wer viel kann, der muss viel machen". dröhnt seine Stimme. Seit 1980 führt er das Bläserregiment, zumindest organisiert er die Veranstaltungen und kümmert sich um die Finanzen: „Wir sind von 28 Posaunenchorverbänden der viertgrößte Verband Deutschlands, gleich nach Württemberg, Bayern und Niedersachsen."

Dementsprechend hoch ist der Organisationsaufwand:  Fünf vollzeitbeschäftigte Landesposaunenwarte kümmern sich um das Bläserleben in den Kirchenbezirken und ein Landesposaunenpfarrer sorgt speziell für das Seelenheil der Vereinsmitglieder. Außer dem Geschäftsführer arbeiten zwei Teilzeitkräfte im Haus der Posaunenmission nahe der Radebeuler Diakonie. Dass es den evangelischen Bläserverband nach Radebeul verschlagen hat, ist dem Zweiten Weltkrieg geschuldet. Nachdem 1945 die Dresdner Diakonie ausgebombt wurde, benötigte man ein Ausweichquartier.

War die Posaunenmission zu dieser Zeit noch eine Abteilung der Diakonie, so fungierte sie ab 1992 als selbstständiger Verein. Heute finanziert sie sich je zur Hälfte aus Mitteln der Landeskirche und aus Mitgliedsbeiträgen, Noten- und Instrumentenverkauf. „In unseren Chören werden aber nicht nur Posaunen geblasen, sondern auch Trompeten, Hörner und Tuben", verrät Kunze, der selbst Posaunist ist. Vor allem Kleinstädte und Dörfer erfreuen sich aktiver Posaunenchöre. Radebeul besitzt gleich zwei, den Chor der Friedenskirche und den der Lutherkirche. Großstädte wie Chemnitz, Leipzig oder Dresden klagen hingegen über Nachwuchsprobleme. Das liege wohl am größeren Freizeitangebot und an der Anonymität der Städte, spekuliert Kunze.

  Posaunenchöre lassen sich nicht auf simple kirchliche Blaskapellen reduzieren. Aus ihren Reihen erwuchsen etliche Blechblasvirtuosen. Wie der Startrompeter Ludwig Güttler, der seine Karriere im Posaunenchor im erzgebirgischen Sosa begann. Noch heute gibt er für Bläser der Posaunenmission Gratisseminare. Ebenfalls vergütungsfrei schult der Radebeuler Matthias Drese bei Bedarf junge Bläsertalente: „Man muss erst lernen, wie überhaupt ein Ton zu Stande kommt. Mit einfach reinpusten passiert da nichts." Bis ein Bläser sein Instrument beherrscht, können zwei Jahre ins Land gehen.

Drese, der hauptberuflich als Tischler arbeitet, leitet seit 20 Jahren den Posaunenchor der Friedenskirche. Rund 30 Frauen und Männer zwischen 13 und 70 Jahren blasen unter seiner Leitung Choräle, Volkslieder, Swing und Pop. „Wir könnten eine Rentnerband aufmachen", lacht der 53-Jährige im Hinblick auf die vielen Ruheständler in seinem Chor. Drese selbst kommt kaum noch dazu, Posaune zu spielen. Nur im Sommer beim gemütlichen Zusammensein bläst er mal mit: „Dann spielen wir einfache Sachen wie Choräle oder Volkslieder - da hat man die Truppe auch so im Griff."

Internetseite der Sächsischen Posauennemission e.V. - www.spm-ev.de