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Friedrich von Bodelschwingh

Theologe und Leiter der Heil- und Pflegeanstalt Bethel

Friedrich von Bodelschwingh wurde am 6. März 1831 in Tecklenburg (Westfalen) geboren. Sein Vater war Landrat und später preußischer Finanzminister. Die Geborgenheit im wohlhabenden christlichen Elternhaus und die sozialen Gegensätze der Großstadt Berlin wurden von ihm sehr schnell erkannt. Als Primaner war er direkt Zeuge der Märzrevolution von 1848.

Nach einer Ausbildung als Landwirt war er als landwirtschaftlicher Inspektor tätig. In dieser Zeit fielen weit reichende Entscheidungen für sein Leben. Das Elend der Landarbeiter, die Not der Kinder und Familien, die oft unter der Trunksucht der Väter litten, erschreckten und erschütterten ihn. Er findet intensiven Zugang zur Bibel und hört in einem Gottesdienst den Ruf nach Arbeitern im Weinberg des Herrn. Er sagt JA und beginnt, Theologie zu studieren. Bereits in dieser Zeit nimmt er aktiv soziale Aufgaben wahr. Nach drei Jahren Tätigkeit als Gemeindepfarrer wird er 1872 nach Bethel berufen. Er übernimmt die Leitung der 1867 gegründeten Anstalt für Anfallsleidende.

Der Kreis wird bald auf geistig und körperlich Behinderte ausgedehnt. Auch in Not geratene und an der neuen Industriegesellschaft gescheiterte Menschen werden aufgenommen. Bethel wuchs mit immer neuen Häusern, Krankenhäusern und dem Zentrum, der Zionskirche, zur Stadt der Barmherzigkeit.

Bodelschwingh beschäftigte immer mehr die Frage einer gesetzlichen Regelung der Fürsorgearbeit. So ist es nicht verwunderlich, dass er im Alter von 75 Jahren bereit war, ein Mandat im Preußischen Landtag anzunehmen. Im Raum von Berlin war die Not der Arbeits- und Obdachlosen riesig. Er gründet 1905 die Anstalten Hoffnungstal; im Jahr 1906 Lobetal sowie 1905 in Bethel eine Theologische Schule. Die hier ausgebildeten Pfarrer sollten die Arbeit der Diakonie zur Sache der Kirchgemeinden machen.

Bethel wurde eine der bedeutendsten Einrichtungen der diakonischen Arbeit in Deutschland. Friedrich von Bodelschwingh starb am 2. April 1910. Sein Sohn Friedrich führte die Arbeit weiter und erwarb sich große Verdienste im Kampf gegen die Vernichtung von Behinderten in der NS-Zeit. Da das Diakonische Amt (früher "Innere Mission") unserer Landeskirche in unserer Gemeinde ihren Sitz hat, wurde ein Zimmer nach Bodelschwingh benannt.

Text: Siegfried Schubert

Weitere Quellen: