Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine
Tageslosung für Mittwoch
08.09.2010
Seid nicht halsstarrig, sondern gebt eure Hand dem HERRN und kommt zu seinem Heiligtum. (2.Chronik 30,8)
Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. (Lukas 14,23)
Gästebuch
hinterlass
Deine Spuren
» einschreiben
Nachrichten und Musik gehörten einfach dazu, wenn ich nicht gerade am Schreibtisch saß. Ich beschloss, in den sieben Wochen der Fastenzeit auf Radio und Fernsehen zu verzichten. Zu Ostern hatte ich mich daran gewöhnt. Ab und zu sehe ich fern, aber das Radio „dudelt“ seitdem nicht mehr. Ich höre anders: Die Geräusche im Haus, die Fliege am Fenster, Stimmen auf der Straße, den Motor des Autos, meinen Atmen und vieles andere mehr.
Im Sommer des Jahres erfuhr ich vom „Jahr der Stille 2010“. Menschen aus unterschiedlichen kirchlichen und freikirchlichen Gruppen und Kreisen riefen auf, im kommenden Jahr den Reichtum der Stille zu entdecken. Ich wurde aufmerksam, wie oft in der Bibel die Stille der Ausgangspunkt für große und wichtige Geschehen und Veränderungen wurde. „Meine Seele ist stille zu Gott“ oder „sei stille dem Herrn und warte auf ihn“, heißt es im Psalm. Mose, Elia und Jesus waren in der Wüste, bevor sie ihre großen Werke begannen. Und die Wüste ist einfach still.
Ich machte mir deutlich: In der Stille der Nacht holen wir uns die Kraft für den neuen Tag. Säuglinge werden „gestillt“ – das ist die Grundlage für ihr Gedeihen. Unsere Tage sind oft voller Geräusche, Lärm, Musik – wir merken es nur fast nicht mehr, weil wir uns daran gewöhnt haben.
Und manchmal ertragen wir die Stille gar nicht mehr.
Das „Jahr der Stille“ will uns aufmerksam machen, die Stille wieder mehr schätzen zu lernen. Wie Einatmen und Ausatmen zusammen gehören (und Leben auch wirklich nur so möglich ist), gehören vielleicht auch Stille und „Nichtstille“ zusammen? Vermutlich werden die nächsten Wochen nicht gerade zu den stillen Wochen im Jahr gehören: Wir werden sehr oft mit Weihnachtsliedern beschallt werden, das „Jauchzet, frohlocket“ erklingt in den Kirchen, wir singen vertraute Lieder, wir werden unzählige Male „Stille Nacht...“ hören, Silvester steigen knallende und zischende Raketen in den Himmel: Die Advents- und Weihnachtszeit ist nicht unbedingt eine stille Zeit.
Aber: Ich kann vor dem Schlafengehen am offenen Fenster fünf Minuten in die Stille lauschen: Da sind der Wind, die Geräusche auf der Straße, mein Atmen. Ich kann dreimal am Tag auf die Glocken hören und meine Arbeit unterbrechen. Ich kann den Morgen mit Stille beginnen (was Jesus übrigens tat: „Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort“ – Markus, 1,35), ich kann sagen: „Danke, Gott, für die Stille. Lass mich aus der Stille heraus den Tag beginnen.“
Ich wünsche Ihnen ab und zu eine wirklich „Stille Nacht...“ und eine gute Zeit – Ihr Wolfram Salzmann
P.S.: Wenn Sie weitere Informationen zum „Jahr der Stille 2010“ suchen: www.jahrderstille.de oder sprechen Sie mich an.













