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Dietrich Bonhoeffer

Von guten Mächten wunderbar geborgen.

Die Reihe der Lebensbilder von Persönlichkeiten, nach denen die Räume unseres Gemeindehauses benannt sind, soll mit Dietrich Bonhoeffer beginnen.

Sein einhundertster Geburtstag in diesem Jahr ist ein besonderer Anlass dafür. Er wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Die Familie zog 1912 nach Berlin, als der Vater eine Professur an der Charité übernommen hatte.

Dietrich begann nach dem Abitur 1923 mit dem Studium der Theologie in Tübingen, später in Berlin. Er schloss es im Alter von 21 Jahren mit der Doktorarbeit ab.

Nach einem Vikariat in Barcelona und einer Assistentenzeit in Berlin folgte ein einjähriger Studienaufenthalt in New York. Anfang der 30er Jahre lehrte er als Privatdozent an der Berliner Universität. Er nahm an verschiedenen internationalen kirchlichen Konferenzen teil und pflegte viele ökumenische Kontakte. Von 1933 bis 1935 war er Pfarrer der deutschen Gemeinde in London.

1935 kehrte er auf Bitten der Bekennenden Kirche nach Deutschland zurück und übernahm die Leitung des Predigerseminars der Kirche von Berlin- Brandenburg in Finkenwalde bei Stettin. Hier arbeitete er intensiv mit einem Kreis junger Theologen, zu denen u.a. sein Biograph und Freund Eberhard Bethge und der spätere Berliner Bischof Albrecht Schönherr gehörten.  Bonhoeffer veröffentlichte zahlreiche theologische Arbeiten und beschäftigte sich intensiv mit dem Auftrag der Kirche in einer religionslosen Zeit. Im September 1938 wurde das Predigerseminar von der Gestapo geschlossen, er fand eine neue Form der Ausbildung.

1939 wird ihm bei einer Reise in die USA nahe gelegt zu bleiben - er entscheidet sich für die Rückkehr nach Deutschland. Hier erhält er öffentliches Rede- und Schreibverbot.

Er beteiligt sich nunmehr aktiv am Widerstand und versucht, durch seine ökumenischen Verbindungen die Westmächte über Pläne der Widerstandsbewegung zu informieren.

Im April 1943 wird Bonhoeffer verhaftet. Ihm wurden zum Teil völlig abwegige Dinge unterstellt, nie hat es einen ordentlichen Prozess gegen Dietrich Bonhoeffer gegeben.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 werden Verschwörer und Mitwisser rigoros verfolgt. Bonhoeffer kommt in das KZ Buchenwald. Am 5. April 1945 ordnet Hitler an, auch Dietrich Bonhoeffer zu vernichten. In den Morgenstunden des 9. April 1945 wird Dietrich Bonhoeffer im KZ Flössenburg hingerichtet.

Aus der Zeit seines Gefängnisaufenthaltes sind uns viele Briefe an Verwandte und Freunde erhalten geblieben, die nicht selten auf abenteuerlichen Wegen den Empfänger erreichten. Sein Freund Eberhard Bethge, an den allein ca. 200 Seiten gerichtet waren, hat 1951 in dem Buch "Widerstand und Ergebung" diese Briefe veröffentlicht. Auch heute sind diese Briefe ein Schatz der Kirche in einer säkularen Zeit.

Sehr vielen Menschen sind aber seine Verse bekannt, die er zum Jahreswechsel 1944/45 seinen Eltern schickte:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag. (EG Nr. 65)

Unmittelbar nach dem Krieg wurde in unserer Gemeinde ein Zimmer nach Dietrich Bonhoeffer benannt. Mit Pfarrer Gerhard Richter und Helmut Deckert als Kirchvorsteher seien stellvertretend zwei Namen genannt, die in unserer Gemeinde die Bekennende Kirche vertraten. Sie wussten, welchen Verlust der Tod Bonhoeffers für unsere Kirche bedeutet hat.